„Oma, jetzt bist du im Himmel!“

Als Maria Tuinte zum ersten Mal ein Flugzeug bestieg, wusste sie bereits, dass sie nicht mit ihm wieder landen würde. Die 70-Jährige hatte sich auf das vielleicht größte Abenteuer ihres Lebens eingelassen: einen Tandem-Fallschirmsprung, gemeinsam mit Altenpfleger Tobias Hoffschlag. Und sie ist ehrlich genug zu sagen, dass sie sich im entscheidenden Moment alles andere als bereit dazu fühlte. Aber: „Ich würde es jedem empfehlen – so viel Angst ich auch vorher hatte.“

Tobias Hoffschlag hat viele Leidenschaften und Hobbys. Mal organisiert der 39-Jährige eine spontane Tanzparty im Innenhof des St. Ludger Senioren- und Pflegezentrums für die Bewohner und Bewohnerinnen, „mit Altenheim-Playlist“, mal ein Koch-Event mit drei Gängen – inklusive selbstgemachtem Eis. Dann wieder kocht er mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Gurken ein, pflanzt mit ihnen Blumen oder baut mit ihnen Kräuterbeete. Er geht Campen, Mountain-Biken, besucht Workshops für Kinaesthetik. Oder er springt in 4000 Metern Höhe aus einer Cessna Caravan, um schließlich am Fallschirm zu Boden zu gleiten – oft mit einem Tandem-Passagier am Schirm.

Zwölf Jahre ist es her, dass Tobias Hoffschlag einen Tandemsprung geschenkt bekam. Den Tag hat er gut in Erinnerung. „Da wusste ich: Das ist mein Sport.“ Seither ist er auf dem Flugfeld in Stadtlohn ein ständiger Gast. 2000 Flugstunden weiter hat er bereits unzählige Menschen mit nach oben genommen – und sicher wieder zur Erde. „Das geht vom achtjährigen Mädchen bis zum 100-jährigen Senior“, erklärt er. Oder seine eigene Großmutter. „Oma fand es richtig gut“, erzählt er. Als sie gemeinsam am Schirm hingen, habe er zu ihr gesagt: „Oma, jetzt bist du im Himmel!“

Maria Tuinte, die im März 2019 gemeinsam mit ihrem Mann ins St. Ludger SPZ eingezogen war, hörte oft zu, wenn der Vredener von seinem Hobby erzählte. „Irgendwann sagte sie dann zu mir: ‚Meinste‘?“ Dann ging es recht schnell. Die Entscheidung für einen Sprung sei nämlich immer auch wetterabhängig, erklärt er. Stimmen die Bedingungen, bleibt nicht viel Zeit zu überlegen. „Es passte in unsere Sprungwoche, das Wetter stimmte und ihr Ehemann sagte: ‚Soll sie machen‘“, erinnert sich Hoffschlag.

Er schaue „hundertprozentig“, dass alles sicher ablaufe, versichert er. „Die Nummer muss safe sein.“ Schließlich hängt auch sein eigenes Leben mit am Schirm, wenn sich die Flugzeugtür öffnet und es mit 200 Stundenkilometer hinunter in Richtung Erde geht. Nervös sei Maria Tuinte dann doch noch geworden, obschon sie zunächst strahlend an ihrem Rollator zu den Vorbereitungen ging. Spätestens beim Selfie in der Luft aber war die Angst offenbar weg, denn da konnte sie gemeinsam mit ihrem Fallschirmpiloten schon wieder Faxen machen. „Die Schirmfahrt hat sie dann sehr genossen“, erinnert sich Hoffschlag. Maria Tuinte nickt. „Der freie Sprung war nicht so berauschend“, sagt sie. „Aber am Schirm war’s schön!“